Bei den Landesmeisterschaften der Masters haben die insgesamt 18 Schwimmer und Schwimmerinnen aus Hildesheim im Wasserparadies reichlich Edelmetall gesammelt. 24 Goldmedaillen kamen zusammen, dazu achtmal Silber und einmal Bronze. Für Erstaunen sorgte dabei nicht nur das gute Abschneiden der Aktiven der SV Eintracht Hildesheim und des VfV Hildesheim, sondern vor allem der Herren des Hellas-1899, der seit Jahrzehnten auf Wasserball spezialisiert ist und in diesem Jahrtausend noch an gar keiner Schwimm-Meisterschaft teilgenommen hat.
Doch das Alter bringt es mit sich, dass sich die Senioren in dem Klub auf das Schwimmen besinnen. Ihre letzten Starts sind bald 40 Jahre her, damals noch bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften für die Startgemeinschaft Hildesheim unter Trainer Rainer Tylinski. Dass die einstigen Bundesliga-Wasserballer zurückkehren auf die Startblöcke, hat einen Grund: Sie haben Großes vor und wollen im Sommer 2027 zur Masters-Weltmeisterschaft nach Budapest reisen. Die Landesmeisterschaft diente ihnen quasi als erster offizieller Test, um zu wissen, wo sie mit ihren Zeiten eigentlich stehen. Denn um bei dem Spektakel in Ungarn dabei zu sein, müssen sie umsatteln. Für ein Hildesheimer Wasserballteam, das international mithalten könnte, gibt es nicht mehr genug Aktive. „Die Mannschaften, die dort antreten, finden sich oft aus mehreren Klubs zusammen und sind auch noch im fortgeschrittenen Alter gut bei der Sache“, weiß Dirk Schütze. Der 59-jährige ehemalige Europameister ist noch aktiv in der 2. und der 3. Herren des HSC.
Um nächstes Jahr in Budapest dabei zu sein, ist es einfacher, eine Schwimmstaffel zu melden. Dafür reichen vier Unentwegte. „Wir haben zwar keine Chance auf eine Medaille, aber dabei sein ist alles“, findet der 65-jährige Markus Weiterer, der sich wie die anderen Wasserballer erstmal wieder zurecht finden musste im Gewusel eines Schwimmwettkampfes. 181 Teilnehmer aus 59 Vereinen waren gemeldet, Eintracht Hildesheim als Ausrichter musste 657 Starts und 18 Staffeln verarbeiten. Dabei erwiesen sie den Hellas-Herren als Neulingen einen Freundschaftsdienst und verzichteten auf einen Kampfrichter, den eigentlich jeder Klub stellen muss. Doch der HSC hat für das Schwimmen niemanden mit entsprechender Lizenz.
Übung unter realen Bedingungen macht jedenfalls den Meister, das wissen die Hellenen spätestens, nachdem Markus Weiterer in dem Trubel seinen Start über 400 Meter Freistil verpasst hatte. Am Ende war er glücklich, weil er so noch genug Kraft hatte, um in der Altersklasse 65 die 200 Meter Freistil zu gewinnen und sich Bronze über 100 Meter Freistil zu ergattern. Auch das Starten will nach Jahrzehnten der Abstinenz gelernt sein. Dirk Schütze wagte sich trotz Rippenprellung an die 50 Meter Freistil, doch ein kurzes Zucken auf dem Startblock bescherte ihm eine Disqualifikation. „Das war früher nicht so streng“, meint er sich zu erinnern. Gold für den HSC holte noch Torsten Kopte in der AK55 über 50 Meter Brust, Roland Weiterer (AK60) gewann Silber über 100 Meter Kraul. Wichtiger als die Medaillen war für die Starter die Erkenntnis, dass sie damit die vorgegebenen Richtzeiten für die WM einhalten.
Was die Zahl der Erfolge angeht, konnten die Wasserballer den etablierten Schwimmern nicht das Wasser reichen. Peter Ritschel (VfV, AK80) sammelte dreimal Gold ein genau wie Stefan Witte (Eintracht, AK 65). Zweimal Gold holten sich Jörg Schuchhardt (Eintracht, AK55) und Axel Gelleschus-Hejpeter (Eintracht, AK35), der auch noch einmal Silber einsackte. Weitere Landesmeister stellt Eintracht mit Christa Simmen (AK75), Kathrin Bornemann (AK40), Celina Heinze (AK25) Julia-Anne Bartelt (AK30), Christian Pfeil (AK 45), für den VfV standen Claudia Lange (AK55) und Armin Garbrecht (AK70) ganz oben auf dem Siegertreppchen. Auch bei den Staffeln räumte Eintracht ab, kassierte dreimal Gold bei 4×50 Lagen in den Altersklassen 160 bis 199 und 200 bis 239 sowie bei 4×50 Freistil in der AK 120 bis 159.


