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Die Stadt Hildesheim braucht ein neues Schwimmbad. Diese Ansicht vertreten die Initiatoren und Unterstützer der Online-Petition "Schwimmnudel statt Rettungsring", der sich innerhalb von nur drei Tagen mehr als 2.000 Bewohner aus Hildesheim und Umgebung angeschlossen haben. Auslöser für die Sammlung war die Mitteilung der Universität Hildesheim, die ihr Lehrschwimmbeckens schließen will und die geplante Sanierung aus Kostengründen überraschend abgebrochen hat.

"So kann es nicht weitergehen", sagt Jan Heinemann, Vorsitzender des HSC Hellas-1899 und Initiator der openpetition, der sich nicht nur neun Vereine und die DLRG-Ortsgruppe angeschlossen haben, sondern auch drei Schulen sowie die Stadtelternräte der Schulen und der Kindertagesstätten in Hildesheim.
Denn das Aus für die Uni-Schwimmhalle bringt das Fass zum Überlaufen. Die ehrenamtlichen Trainer und Übungsleiter fordern die Stadt auf, ihrer "freiwilligen Pflichtaufgabe" nachzukommen und für ausreichend Wasserflächen zu sorgen. In den vergangenen Jahren wurden im Stadtgebiet immer mehr Bäder geschlossen, die zwar nicht der Stadt gehörten, aber der Schwimmausbildung dienten, als da wäre die Becken in der Realschule in Himmelsthür und der Diakonie in Sorsum, im Christophorus-Stift, im St.-Paulus-Heim und im Bernwardshof sowie das Strandbad am Müggelsee.
Schon jetzt ist der Rückstand groß, alle Mädchen und Jungen zu erreichen. 60 Prozent der sechs- bis zehnjährigen Kinder haben nach einer forsa-Umfrage von 2017 kein Bronze-Abzeichen, sind also keine sicheren Schwimmer. Ein Viertel aller Drittklässler hat nicht einmal das Seepferdchen. Das Problem sehen nicht nur die Petitions-Verfasser, sondern auch die Teilnehmer, die in ihren Kommentaren die Bedeutung einer guten Schwimmausbildung betonen.
Jan Heinemann und seine Mitstreiter freuen sich über die große Zustimmung. Auch wenn sie das so genannte Quorum für ein Gespräch mit Oberbürgermeister Ingo Meyer bereits erreicht haben, wollen sie weiter sammeln und ihr Anliegen mit möglichst vielen Unterschriften so unterstreichen. "Wir freuen uns über jede Stimme", so Jan Heinemann. Im Grunde sei jeder betroffen, "ob er selber Kinder oder Enkel hat, oder ob er Freunde mit Kindern kennt".
Einen Vorschlag können auch die Sportvertreter nicht aus dem Hut zaubern, sie wollen aber mithelfen und mitarbeiten, eine bedarfsgerechte und bezahlbare Lösung für Hildesheim zu finden, die auch der Universität dienen könnte, ihre Sportlehrer nach modernen Maßstäben auszubilden. Die Zeit eilt. Denn jedes Jahr werden in Hildesheim mehr als 900 Kinder geboren, denen jemand später das Schwimmen beibringen muss. Jan Heinemann: "Wir alle übernehmen das gerne, wir brauchen nur ausreichend Wasserflächen dafür."

Die Petition ist unter https://www.openpetition.de/schwimmnudel zu finden. Beteiligt sind Hellas-1899 Hildesheim, TuS Grün-Weiß Himmelsthür, TriAs Hildesheim, SG Marienburger Höhe, Schwimmabteilung Eintracht Hildesheim, Schwimmabteilung VfV Hildesheim, DLRG Hildesheim, PSV Grün-Weiß Hildesheim, MTV 48 Hildesheim, Wolfgang Schlüter im Namen des KreisSchwimmverbandes, Jowiesenfreunde e.V., Grundschule Itzum, Grundschule Marienburger Höhe, Oskar-Schindler-Gsamtschule, Stadtelternrat Hildesheim, KiTa Stadtelternrat Hildesheim.


Bild: "Schwimmnudel statt Rettungsring" lautet das Motto: Wolfgang Schlüter vom Kreisschwimmverband und Frauke Oppelt-Brager vom Arbeitskreis Schwimmen werben mit Vereinsvertretern für eine Teilnahme an der Online-Petition. Foto: rwe